MORCHELN, Wirsing, Pasta – und was hat der Yukon damit zu tun?

Nachdem der WIRSING in meinem letzten Blogpost die Hauptrolle gespielt hat, sind nun die MORCHELN dran. Habe ich doch Morcheln vom Yukon bekommen. Gefühlt ein Kilo! Gesammelt unter Lebensgefahr…

Vor ein paar Wochen bekam ich aus Mayrhofen im Zillertal ein Paket mit Morcheln. Aber sie sind nicht aus dem Zillertal, sondern eben vom Yukon! Braucht man das? War die Frage aus meiner kochleidenschaftlichen Umgebung. Aus Kanada? Die gibt es doch auch hier?
Nö, so einfach ist das nicht, die gibt hier kaum mehr. Und außerdem stehen sie in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung unter Naturschutz. Das Sammeln ist nur in geringsten Mengen für den eigenen Bedarf erlaubt. Die Spitzmorchel ist der teuerste einheimische in der Natur vorkommende Pilz! Experten vergleichen die komplizierte und zeitaufwändige Suche nach diesen Pilzen nicht zu Unrecht mit der noch aufwändigeren Suche nach Trüffeln.

Und, ja, solche Morcheln wie aus dem Yukon Territory, hab ich wirklich noch nie gesehen! Riesig. Und dann noch dieser Duft, das Aroma. „Handgepflückt unter Lebensgefahr“, wie es augenzwinkernd von Kerstin Gausmann hieß, von der ich die Morcheln bekam. Also von ihrem Mann. Und der lebt außer im Zillertal auch noch am Yukon.  Ich fand das spannend und ich mag ja auch immer die Geschichten rund ums Essen. Morcheln vom Yukon, die will ich probieren. 

Bevor ich aber Kerstin & Tom befrage, treibt mich die Neugier schon mal zur Internetrecherche. Huii da gibt es einen Swiss Chinook Club, der auf Morcheljagd geht. In youtube gibt es ein Video mit dem Titel „Gefährliche Schatzsuche (Spitzmorchel) in der Wildnis Kanada“. Okay… das klingt also doch lebensgefährlich, das Morchel pflücken. Und dann lese ich noch was über Waldbrände. Dort auf den abgebrannten Stellen findet man sie also besonders häufig. Sie fördern das Wachstum von Morcheln im Folgejahr. Die Ursache des Massenauftretens von Morcheln ist allerdings wissenschaftlich noch nicht definitiv geklärt. Als sicher gilt, dass das Myzel (Fadengeflecht von Pilzen) schon vor dem Brande im Boden war und somit die Bodenbeschaffenheit geeignet ist. Zwei Hauptfaktoren dürften für die Massenbildung der Fruchtkörper verantwortlich sein: Das Zuführen von Holzasche verändert den pH-Wert des Bodens. Dadurch wird eine Wandlung der Bodenmikroflora und –fauna verursacht. Und das Das Wachstum mancher Pilze auf Brandflächen wird durch vermehrte Nitrifikation (ein konzentrierter Prozess, an dem unterschiedliche Bakteriengruppen teilnehmen) begünstigt. 

Tom auf Morchelschatzsuche im Yukon Territory

Interessant ist, dass meine Yukon Morcheln tatsächlich von Brandstellen kommen. Kerstin Gausmann erzählt mir: „Das Gebiet liegt am Dease River im Gebiet Lower Post/ Watson Lake im Grenzgebiet Yukon- Britisch Columbia. Ja, die Morcheln wachsen dort besonders ergiebig nach Waldbränden. Dieses Gebiet war 76219 Hektar groß Die Morcheln sind luftgetrocknet worden auf einer eigens gebauten Darre. ‚Unter Lebensgefahr‘ war ein Scherz, wobei man berücksichtigen muss, dass mein Mann da schon monatelang, fern der Zivilisation in der Wildnis lebt, mit allen damit verbundenen Gefahren, wie z.B. Bären, Wölfen und dem Fehlen von ärztlicher Versorgung in erreichbarer Nähe. Also ist das mit der Lebensgefahr wahrscheinlich eine Frage der Perspektive  „

Luftgetrocknete Morcheln in Kanada

Und nun zum Rezept

WIRSINGNUDELN mit SPITZMORCHELN & SAHNESAUCE

Zutaten & Zubereitung
für 4 wirsingliebende Personen
sollten andere Personen dabei sein, lieber weniger Wirsing nehmen

1 Kopf Wirsing (ca. 700g)
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
2 EL Gemüse- oder Hühnerbrühe
2 EL Öl (Oliven- oder Rapsöl)
250 ml Sahne
1 EL Zitronensaft
Muskat, Salz, Pfeffer und je nach Schärfewunsch noch Chiliflocken

ca. 20 g Morcheln

400 g Pasta (Bandnudeln oder Spaghetti)
ca. 4 EL geriebener Parmesan 

Die Morcheln etwa eine Stunde vorher einweichen. 
Kurz vor dem Servieren ausdrücken, den Sand evtl. abwaschen.
Größere Morcheln klein schneiden. 
Das Einweichwasser aufheben.

Wirsing waschen, putzen, vierteln und den Strunk herausschneiden. 
Wirsing in ca. 1,5 cm breite Streifen schneiden. 
Zwiebeln abziehen und würfeln, Knoblauch abziehen und hacken. 

Die Pasta nach Packungsanweisung in Salzwasser kochen, beim Abgießen 150 ml Kochwasser auffangen und dieses mit der gekörnten Gemüse- oder Hühnerbrühe verrühren.

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Wirsing-Streifen dazugeben (geht auch portionsweise). Wirsing etwa 5-6 Minuten unter Wenden anrösten, bis er etwas zusammenfällt. Anschließend Zwiebelwürfel und Knoblauch dazugeben und 2-3
Minuten mitbraten.  Einen Teil Morcheln kurz mit anrösten und mit Salz und Pfeffer würzen. Die restlichen Morcheln als Deko aufheben.
Die Brühe und das Einweichwasser (gefiltert) dazugeben und bei niedriger Hitze
mit geschlossenem Deckel etwa 5 Minuten köcheln lassen. Zum Schluss die Sahne zugeben und nicht mehr aufkochen.

Die Pasta unter das Wirsing-Gemüse heben und mit Zitronensaft, Chili und Muskatnuss abschmecken. Wirsingnudeln auf 4 Teller verteilen und mit Parmesan bestreuen. Noch ein paar  Morcheln dazu geben und servieren.

Und ein schöner Sonnenuntergang

2 Antworten auf “MORCHELN, Wirsing, Pasta – und was hat der Yukon damit zu tun?”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: